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John Allen (D)

17.11.2017
John Allen (D)

Nach seiner beinahe märchenhaften Entdeckung durch Frank Turner im Herbst 2013 ist viel passiert im Leben von John Allen. Er hat seinen Job gekündigt, sein Lehrer-dasein an den Nagel gehängt um sich vollständig der Musik zu widmen und tourt seitdem rastlos durch Europa. Knapp 500 Shows in weniger als vier Jahren stehen zu Buche, darunter Tourneen mit Größen der Singer/Songwriter Szene wie Lucero, Ben Caplan & The Casual Smokers, Tim Vantol, Joe Ginsberg, Northcote und Emily Barker, sowie Konzerte mit dem Popstar Milow.

Seine musikalische Heimat siedelt Allen “irgendwo zwischen klassischem Singer-Songwriter, Folk, Country, Punk und Americana” an. Als bedeutendste Einflüsse auf seinem Weg benennt er Größen wie Bob Dylan, Bruce Springsteen, Nick Cave und Tom Waits. In seinen Songs beschwört er die Geister der Vergangenheit, trauert verflossenen Lieben hinterher, besingt die Freiheit auf der Straße, lobt den Optimismus des Neuanfangs und kokettiert mit Alltäglichem.

‘Ghosts’ heißt Allen’s inzwischen viertes Studioalbum. Allen konfrontiert verflossene Liebschaften, spinnt Geschichten von Tod, Angst, Verzweiflung und Weltuntergang, haucht geheimnisvollen Charakteren Leben ein und entfernt sich dabei stetig weiter vom Image des gitarrenspielenden Folk-Punks. ‘Ghosts’ zeugt von lyrischer Reife und dem Mut zu Gunsten von musikalischen Experimenten althergebrachte Wege zu verlassen. Allen Dämonen, allen zwielichtigen Gestalten und allen zu Musik gemachten Niederlagen zum Trotz, schafft es Allen dennoch, immer wieder kleine Leuchtfeuer der Hoffnung zu entzünden. So ist ‘Ghosts’ zugleich brachial und zerbrechlich, düster und romantisch, rumpelnd, bedrohlich und versöhnlich. Bei aller Veränderung und musikalischer Weiterentwicklung ist Allen’s markante Stimme geblieben, die auf ‘Ghosts’ röhrt, streichelt und voller Wahnwitz bedroht. Zusammen mit seiner Band, den Black Pages, sowie zahlreichen namenhaften Gastmusikern entstand der Longplayer im Frühjahr 2016 und wurde im November des gleichen Jahres veröffentlicht. Fans und Kritiker nahmen das Album mit Begeisterung auf, der Rolling Stone zog gar Vergleiche mit Bruce Springsteen,Nick Cave und Tom Waits.

So eingängig seine Melodiebögen sind, so schwermütig können seine Texte sein, umwoben von einer Melancholie, Verzweiflung und Düsternis, die sich auch in seiner Stimme widerspiegeln, einer Stimme die rau ist wie die stürmische See. Wer Allen zuhört, wer sieht, wie er mit seinen Instrumenten auf der Bühne verschmilzt, wie er das Gesungene immer neu zu durchleben scheint, der ahnt: Hier singt einer, der viel durchgemacht und dennoch nicht aufgehört hat, an die heilende Kraft der Musik zu glauben und ruhelos das Licht am Ende des Tunnels zu suchen.

Vielleicht ist John Allen nichts als ein Glückspilz. Mit Sicherheit aber hat er die sich bietenden Chancen ausgenutzt und ist nun unterwegs, um seinem eigenen Rock ’n’ Roll Märchen noch das eine oder andere Kapitel hinzuzufügen.
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